England, Krimis

Deborah Crombie. Kissed a Sad Goodbye – Kincaid/James 6 (1999)

Auf der Isle of Dogs wird die Leiche einer wunderschönen jungen Frau gefunden. Es stellt sich bald heraus, dass es sich um Annabelle Hamilton handelt, die die familieneigene Tee-Handelsfirma führte. Scotland Yards-Dreamteam Duncan Kincaid und Gemma James ermitteln in hochsommerlicher Hitze.

Es ist der Verlobte der schönen Annabelle, Reg Mortimer, der sie als vermisst meldet. Nach einem Streit am Abend zuvor hat sie sich nicht mehr gemeldet. Zuletzt hatte er sie gesehen, wie sie mit einem Straßenmusikanten geredet hatte. Schnell zeigt sich, dass Annabelle nicht nur schön, sondern auch höchst eigenwillig war: Sie hatte ein Verhältnis mit dem Musikanten, Gordon, und auch mit dessen Vater, Lewis.

Altes Drama in kursiv

Und Lewis, das erfahren wir aus der Geschichte in der Geschichte, ist ein guter alter Bekannter von Annabelles Vater William gewesen. Während des Zweiten Weltkriegs waren beide Jungen aufs Land evakuiert worden und lernten sich im Haus von Williams Tante kennen. Sie wurden Freunde, bis zu dramatischen Ereignissen …

Während sich die Ermittlungen des Duos Kincaid und James durch die Hitzewelle in London schleppen, unterstützt durch Polizistin Janice, die sich vor Ort bestens auskennt, ist es vor allem der Erzählstrang aus dem Zweiten Weltkrieg, der mich als Leserin gefesselt hat. Das ist hervorragend geschrieben, atmosphärisch und einfühlsam.

Aktueller Todesfall

Die aktuellen Ermittlungen werden ein bisschen aufgepeppt durch Gemmas besondere „Beziehung“ zu Musiker Gordon und den dadurch geweckten leisen Zweifeln an ihrer Beziehung zu ihrem Vorgesetzten Duncan. Ganz besonders gut gelingen Autorin Deborah Crombie aber auch in diesem Band wieder die Charaktere, die alle mit ihren Eigenheiten agieren, die als Menschen lebendig werden.

Nach dem hoch gelobten vorherigen Band (Dreaming of the Bones) konnte dieser wohl nicht ganz so sagenhaft gut sein, der Fall ist eher durchschnittlich – wenn nicht der Erzählstrang aus der Vergangenheit wäre, der diesem Band seinen ganz eigenen Ton verleiht. Und ihn auch deshalb lesenswert macht.

Deborah Crombie. Kissed a Sad Goodbye. New York: Bantam, 1999. | dt: Böses Erwachen. München: Goldmann, 1999. (Kincaid/James 6)

Mehr zur Autorin und ihrer Krimi-Serie auf der Autor:innen-Seite Deborah Crombie.

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