Schweden, Thriller

Lina Bengtsdotter. Mohnblumentod – Charlie Lager 3 (2021)

Wieder ist ein Mädchen verschwunden: Das Baby Beatrice wird mitsamt Kinderwagen von der Terrasse ihrer wohlsituierten Eltern entführt – doch Lösegeldforderungen gibt es nicht. Charlie Lager und ein Kollege aus Stockholm sollen die Polizisten in der Nähe von Lagers Geburtsort Gullspång unterstützen.

Während Charlie Lager wieder einmal nur sehr ungern in die Nähe ihrer Heimat kommt, macht auch der Fall des verschwundenen Babys ihr zu schaffen. Ob sich der Entführer auch richtig kümmert? Oder können sie nur noch eine Leiche finden? Natürlich arbeitet die Polizei unter Hochdruck, doch Erfolge bleiben zunächst aus … Die Putzfrau, die ihre drei eigenen Töchter im syrischen Kriegsgebiet verloren hat und für die Zeit des Verschwindens von Beatrice kein Alibi vorweisen kann, ist die einzige Spur. Doch Charlie kann nicht an ihre Schuld glauben.

Psychologisches Gespür

Dass Beatrices Eltern Frida und Gustav Palmgren etwas verbergen, davon ist Charlie überzeugt. Auch die Freunde Charlotte und David scheinen mit im Bunde zu sein, reden will zunächst aber niemand. Immerhin ist schnell klar, dass Frida aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommt, ihre Eltern waren Alkoholiker, der Bruder ist drogensüchtig. Als Verdächtiger taugt er allerdings auch nicht wirklich. Charlie braucht viel Fingerspitzengefühl und Hartnäckigkeit, um nach und nach die Geheimnisse der beiden Paare zu entschlüsseln. Und davon gibt es so einige.

Wiedersehen mit Sara

In einem parallelen Handlungsstrang treffen wir Sara wieder, die Charlie in ihrem letzten Fall in Gullspång unter ihre Fittiche genommen hatte. Nach dem Tod ihres Vaters ist Sara in ein Heim gekommen, wo sie das Zimmer mit Lo teilt, die mit 17 Jahren schon einiges durchgemacht hat. Das ist auch ausgesprochen spannend zu lesen, aber bis die beiden Handlungsstränge zusammenlaufen und sich die Zusammenhänge klären, dauert es – was natürlich gut ist, weil es die Spannung bis ganz zum Schluss immer weiter steigert.

Überzeugend

Hochspannung um ein verschwundenes Mädchen und die Traumata von Polizistin Charlie Lager kombiniert Lina Bengtsdotter auch in ihrem dritten Band wieder sehr geschickt zu einem hervorragenden Krimi. Wobei für mich in diesem Band tatsächlich der zweite Handlungsstrang stärker war, die Teenager im Heim, vielleicht weil Charlies Eigenarten mir jetzt schon bekannt waren und nicht wirklich neue Entwicklungen geboten haben. In einer Bewertung müsste sich dieser Band hinter seinen beiden Vorgängern einreihen, er gehört aber immer noch zu den richtig guten und überzeugenden Krimis, die man als Fan nicht verpassen sollte.

Lina Bengtsdotter. Mohnblumentod. München: Penguin 2021. | Beatrice. Stockhom: Bokförlaget Forum, 2020. (Charlie Lager 3)

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Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

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